Tiernotruf Saarland e.V.

Hintergrund zur Kampagne

Die Lage im Saarland — Zahlen, die für sich sprechen.

Diese Seite beschreibt, wie die Tierrettung im Saarland aktuell tatsächlich funktioniert — nicht so, wie sie auf dem Papier organisiert sein sollte. Die Angaben zur Einsatzlage stammen von Tiernotruf Saarland e.V. selbst; die Zahlen zur Hundesteuer stammen aus offiziellen Quellen und sind unten mit Links belegt.

Kurz zusammengefasst: Der Staat nimmt über die Hundesteuer jedes Jahr Millionenbeträge ein — für die Rettung von Tieren in Not gibt es davon strukturell nichts zurück.

500–800
Anrufe erreichen Tiernotruf Saarland e.V. nach eigenen Angaben monatlich — durchgehend ehrenamtlich entgegengenommen.
24/7
Bereitschaft wird faktisch erwartet, ganz ohne bezahlte Schichten oder feste Vertretungsregelung.
0 €
Strukturelle Förderung durch das Land Saarland für diese Rettungsarbeit — nach Angaben von Tiernotruf Saarland e.V.
Die Einsatzlage

500 bis 800 Anrufe im Monat — von Ehrenamtlichen allein getragen.

Nach Angaben von Tiernotruf Saarland e.V. gehen monatlich zwischen 500 und 800 Anrufe ein — verletzte Wildtiere am Straßenrand, entlaufene Hunde und Katzen, verwaiste Jungtiere, Notfälle bei Nutztieren. Jeder einzelne dieser Anrufe wird von ehrenamtlichen Mitgliedern entgegengenommen, koordiniert und in der Regel auch vor Ort bearbeitet — neben Beruf, Familie und eigenem Leben.

Es gibt keine bezahlte Doppelbesetzung, keine offiziellen Schichtpläne, keine Vertretungsregel, die greift, wenn jemand krank wird oder ausfällt. Wenn eine Ehrenamtliche Struktur an ihre Grenzen stößt, gibt es keine zweite Ebene, die auffängt — der nächste Anruf klingelt trotzdem.

Das bedeutet konkret: An einem durchschnittlichen Tag gehen 15 bis 25 Anrufe ein, an manchen Tagen deutlich mehr — jeder davon potenziell ein Fall, der sofortiges Handeln verlangt. Diese Last verteilt sich auf eine kleine Zahl aktiver Ehrenamtlicher.

Zum Vergleich: Rettungsleitstellen für Menschen sind gesetzlich zur durchgehenden Besetzung verpflichtet und werden aus öffentlichen Mitteln finanziert. Für Tiernotrufe existiert diese Pflicht in Deutschland nicht — die Struktur entsteht ausschließlich dadurch, dass Einzelne sie freiwillig aufrechterhalten.
Wildtierauffangstationen

Nicht 24/7 besetzt — weil dafür schlicht niemand bezahlt wird.

Verletzte oder verwaiste Wildtiere brauchen nach der Rettung fachgerechte Erstversorgung und Pflege — oft rund um die Uhr, besonders bei Jungtieren, die im Stundenrhythmus gefüttert werden müssen. Die dafür nötigen Auffangstationen sind im Saarland jedoch nicht durchgehend besetzt.

Der Grund ist banal und gleichzeitig das eigentliche Problem: Eine 24/7-Besetzung kostet Personal, und dieses Personal wird nicht finanziert. Wer eine Nachtschicht in einer Wildtierstation übernimmt, tut das unbezahlt, freiwillig und zusätzlich zu allem anderen — das lässt sich auf Dauer nicht mit ausreichender Kontinuität aufrechterhalten.

Die Folge: Zeitkritische Fälle — etwa ein unterkühltes Jungtier, das dringend Wärme und Nahrung braucht — treffen mitunter auf eine Station, die in diesem Moment schlicht nicht besetzt ist, weil die Person, die sonst da wäre, am nächsten Morgen wieder zur Arbeit muss.

Warum das zählt: Eine Station, die nur besetzt ist, wenn gerade jemand Zeit hat, ist keine verlässliche Versorgungsstruktur — sie ist ein Bestmöglich-Prinzip, das an genau den Stellen versagt, an denen es am meisten zählt.
Versorgung im Zweifel

Sparen an Tierarztkosten — und notgedrungen selbst behandeln.

Wenn niemand die Behandlungskosten übernimmt, bleibt Ehrenamtlichen oft nur die Wahl zwischen zwei schlechten Optionen: den Tierarztbesuch aus eigener Tasche vorstrecken — oder die Erstversorgung, so gut es eben geht, selbst übernehmen. Wundversorgung, Verbände, Zwangsernährung von Jungtieren: Vieles, was eigentlich in tierärztliche Hände gehört, wird aus finanzieller Notwendigkeit von Laien mit angelerntem Wissen durchgeführt.

Das ist keine Frage von mangelndem Willen oder mangelnder Sorgfalt — es ist die direkte Folge einer Struktur, in der Behandlungskosten grundsätzlich privat hängen bleiben. Wer entscheiden muss, ob ein Tier zum Tierarzt kann oder ob das Geld für die eigene Miete reicht, trifft am Ende Kompromisse, die niemand treffen sollte.

Genau hier setzt Forderung 02 — Rettung darf nicht Privatsache bleiben an: eine strukturierte Kostenerstattung statt einer Dauerbelastung Einzelner.
Wo das Geld hingeht

Millionen durch die Hundesteuer — null Euro für die Tierrettung.

Während Tierrettung im Saarland finanziell komplett auf sich selbst gestellt ist, nehmen Städte und Gemeinden über die Hundesteuer verlässlich Jahr für Jahr Millionenbeträge ein. Diese Steuer wird von den Kommunen erhoben — mit der Hundehaltung selbst hat ihre Verwendung nichts zu tun, sie fließt in den allgemeinen Haushalt.

Im Saarland lagen die Einnahmen aus der Hundesteuer 2022 bei rund 5,49 Millionen Euro — ein Anstieg von 87.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Bundesweit erreichten die Einnahmen 2024 einen neuen Rekordwert von rund 430 Millionen Euro, nach 421 Millionen Euro im Jahr 2023 und rund 309 Millionen Euro im Jahr 2014 — ein Anstieg von 39,3 % innerhalb von zehn Jahren.

Ein Teil dieser Einnahmen entsteht direkt vor Ort: Die Landeshauptstadt Saarbrücken erhebt beispielsweise 120 € für den ersten Hund und 168 € für jeden weiteren Hund im selben Haushalt — pro Jahr, dauerhaft, unabhängig davon, ob das Tier jemals in eine Notlage gerät.

5,49 Mio €
Hundesteuer-Einnahmen im Saarland, 2022
0 €
Öffentliche Förderung für ehrenamtliche Tierrettung im Saarland
430 Mio €
Hundesteuer bundesweit, 2024 (Rekordwert)
120 € / 168 €
Hundesteuer Saarbrücken, 1. bzw. jeder weitere Hund
Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung vom 8. Oktober 2025 — destatis.de; Blaulichtreport-Saarland.de, Einnahmen durch Hundesteuer im Saarland (2022) — blaulichtreport-saarland.de; Landeshauptstadt Saarbrücken, Hundesteuersätze — saarbruecken.de

Das Geld ist da. Es fließt nur nicht dorthin, wo es gebraucht wird.

Keine dieser Zahlen bedeutet, dass die Hundesteuer abgeschafft werden sollte — sie zeigen nur, dass öffentliche Mittel rund um die Hundehaltung längst existieren, während die Rettung von Tieren in Not komplett davon abgekoppelt ist. Ein Bruchteil dieser Einnahmen würde ausreichen, um genau die vier Forderungen dieser Kampagne umzusetzen.