Kampagne „Ohne Ehrenamtliche sterben Tiere"
Was wir fordern — und warum es jetzt zählt.
Diese Seite erklärt im Detail, worum es in der Kampagne geht: was gerade schiefläuft, welche vier Forderungen wir an Politik und Verwaltung stellen, was sich konkret ändern soll — und wie du das unterstützen kannst.
Tierrettung in Deutschland ist fast vollständig auf ehrenamtliche Strukturen angewiesen. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, Tiernotrufe entgegenzunehmen, keine öffentliche Finanzierung für Rettungseinsätze und keinen rechtlichen Rahmen, der Ehrenamtliche schützt oder entlastet. Was heute funktioniert, funktioniert, weil Einzelne über ihre Belastungsgrenze hinausgehen — nicht, weil ein System dahintersteht.
Notrufe müssen immer ankommen.
Aktuell hängt es vom Zufall ab, ob ein Tiernotruf mitten in der Nacht überhaupt jemanden erreicht. Es gibt keine flächendeckende, offiziell benannte Anlaufstelle für Tiernotfälle in Saarland — Anrufe landen bei einzelnen Ehrenamtlichen, deren private Handynummern sich über Jahre als „die Nummer, die man anruft" herumgesprochen haben. Fällt diese Person aus, krank wird oder schlicht schläft, bleibt der Notruf unbeantwortet.
Wir fordern eine offizielle, landesweite Rettungsleitstelle für Tiernotfälle, die von öffentlicher Seite mitgetragen wird — vergleichbar mit der Struktur, die es für Menschen längst selbstverständlich gibt.
Was das konkret bedeuten soll
- Eine zentrale, öffentlich beworbene Rufnummer für Tiernotfälle in Saarland, rund um die Uhr erreichbar.
- Eine Diensteinteilung mit mehreren besetzten Schichten statt Dauerbereitschaft Einzelner — damit niemand allein für die Erreichbarkeit eines ganzen Bundeslandes verantwortlich ist.
- Technische Anbindung an bestehende Rettungsleitstellen (Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst), damit Tiernotrufe dort korrekt weitervermittelt werden, statt im Zuständigkeits-Niemandsland zu verschwinden.
- Ein Ausfallkonzept: Wenn eine Ehrenamtliche Struktur überlastet ist, muss es eine zweite Ebene geben, die einspringt — nicht das Schweigen am anderen Ende der Leitung.
Rettung darf nicht Privatsache bleiben.
Wer heute ein verletztes Tier rettet, zahlt in aller Regel selbst dafür: Benzin für die nächtliche Anfahrt, den ersten Tierarztbesuch, Verbandsmaterial, Transportboxen, manchmal die komplette Erstversorgung, bis ein Tierheim oder eine Pflegestelle übernehmen kann. Es gibt keinen strukturierten Erstattungsweg — wer nicht vorstrecken kann oder will, muss die Rettung im Zweifel unterlassen.
Wir fordern eine verlässliche Kostenerstattung für ehrenamtliche Tierretter:innen, die über Spendenaufrufe im Einzelfall hinausgeht und stattdessen strukturell abgesichert ist.
Was das konkret bedeuten soll
- Ein Erstattungsfonds für nachweisbare Fahrt-, Behandlungs- und Erstversorgungskosten, verwaltet über eine unbürokratische, schnelle Abrechnung — nicht über monatelange Antragsverfahren.
- Feste Kooperationsvereinbarungen mit Tierarztpraxen für Notfallbehandlungen, damit die Erstversorgung nicht an der Frage hängt, wer die Rechnung zuerst bezahlt.
- Eine jährliche Pauschale für aktive Ehrenamtliche zur Grundausstattung (Handschuhe, Transportboxen, Erste-Hilfe-Material), statt dass jede Person bei null anfängt.
- Transparente, öffentlich einsehbare Mittelverwendung, damit klar ist, wohin Fördergelder tatsächlich fließen.
Pflegeplätze vor dem Kollaps.
Nach der Rettung beginnt oft das eigentliche Problem: Wohin mit dem Tier? Tierheime sind seit Jahren überfüllt, Aufnahmestopps sind die Regel, nicht die Ausnahme. Die Folge: Gerettete Tiere landen in privaten Wohnzimmern, Badezimmern und Gärten von Ehrenamtlichen — teils über Wochen oder Monate, ohne fachgerechte Trennung von Arten, ohne Quarantänemöglichkeit, ohne Entlastung.
Wir fordern den Ausbau öffentlich geförderter, professionell betriebener Auffang- und Pflegekapazitäten, die diese Lücke tatsächlich schließen — nicht als Ersatz für Ehrenamt, sondern als notwendige Ergänzung dazu.
Was das konkret bedeuten soll
- Neue, öffentlich mitfinanzierte Pflegestationen mit Kapazität für die tatsächliche Fallzahl in der Region — nicht auf dem Papier, sondern nutzbar im akuten Bedarfsfall.
- Ein landesweites, digitales Belegungssystem, das in Echtzeit zeigt, wo noch Kapazität frei ist — damit Ehrenamtliche nicht reihenweise Tierheime abtelefonieren müssen, während ein Tier im Auto wartet.
- Spezialisierte Plätze für Wildtiere (Igel, Vögel, Rehkitze) getrennt von Haustierpflege, da beide völlig unterschiedliche Anforderungen an Haltung und Versorgung haben.
- Klare Förderrichtlinien, die private Pflegestellen unterstützen, statt sie als kostenlose Verlängerung staatlicher Verantwortung zu behandeln.
Ehrenamt ist Arbeit — nennt es so.
Rechtlich ist ehrenamtliche Tierrettung praktisch unsichtbar. Es gibt keinen abgesicherten Versicherungsschutz für Verletzungen während eines Einsatzes, keinen Anspruch auf Freistellung durch den Arbeitgeber im akuten Notfall, keine formale Anerkennung als gesellschaftlich relevante Tätigkeit. Wer sich verletzt, während er ein Tier von der Autobahn holt, steht im Zweifel ohne Absicherung da.
Wir fordern die rechtliche Anerkennung von Tierrettung als ehrenamtliche Tätigkeit mit vergleichbarem Schutzstatus wie andere anerkannte Ehrenämter — etwa im Rettungsdienst oder Katastrophenschutz.
Was das konkret bedeuten soll
- Gesetzlicher Unfall- und Haftpflichtversicherungsschutz für anerkannte, registrierte Tierrettungs-Ehrenamtliche während aktiver Einsätze.
- Ein Freistellungsanspruch gegenüber Arbeitgebern für akute, dokumentierte Notfalleinsätze — analog zur Regelung für freiwillige Feuerwehrleute.
- Eine offizielle Ehrenamtsbescheinigung, die bei Behörden, Versicherungen und im Berufsleben als das anerkannt wird, was sie ist: gesellschaftlich notwendige Arbeit.
- Einbindung von Vertreter:innen der Tierrettung in kommunale und landesweite Gremien zum Katastrophen- und Tierschutz, damit Entscheidungen nicht ohne die Menschen getroffen werden, die sie umsetzen müssen.
Vier Forderungen. Eine Voraussetzung: dass es weitergeht.
Keine dieser vier Forderungen verlangt, das Ehrenamt zu ersetzen. Sie verlangen, dass ein System entsteht, das das Ehrenamt trägt, statt es aufzuzehren. Solange Notrufe unbeantwortet bleiben können, Kosten privat hängen bleiben, Pflegeplätze fehlen und rechtliche Absicherung Glückssache ist, wird die Zahl der Menschen, die diese Arbeit noch leisten können, weiter sinken — und mit ihr die Zahl der Tiere, denen noch geholfen werden kann.
Wenn du diese Forderungen unterstützen willst: Teile diese Seite, sprich mit deiner Kommunalpolitik darüber, oder unterstütze Tiernotruf Saarland e.V. direkt mit Zeit oder Spende.